Übung 3: Wie überzeugen Sie andere?

Das ist eine Übung für jeweils zwei. Es ist gut, wenn man diese Übung zum ersten Mal als Teil einer Gruppe mit einem Trainer oder Lehrer erlebt, in welcher paarweise trainiert wird.

Hier geht es darum, eine andere Person von der eigenen Meinung zu überzeugen. Idealerweise, indem man sich der Frage-Techniken bedient!

🔹Schritt 1: Jeder schreibt (s)eine Meinung auf, die er/sie gerne in Gesprächen vertritt.

🔹Schritt 2: Jeder schreibt dazu mindestens 5 Argumente auf, die seine Meinung untermauern.

🔹Schritt 3: Jetzt werden Zweier-Gruppen gebildet und einer der beiden versucht in 5 Minuten den anderen von seiner Meinung zu überzeugen. Nach diesen 5 Minuten notieren beide kurz ihren Eindruck und dann werden die Rollen getauscht.

Bemerkung: Nach diesem Svhritt ist es sinnvoll, dass der Trainer danach fragt, wieviele Fragen gestellt wurden. Erfahrungsgemäß hat kaum einer der Gesprächspartner Fragen gestellt, sondern in der Kürze der Zeit versucht, alle seine Argumente dem anderen überzustülpen. Nach dem Motto: Viel hilft viel!

Es ist wichtig, die Übenden diese Erfahrung machen zu lassen, dass auch sie dazu neigen, auf andere einzureden, statt deren Bedürfnisse zu erfragen. Wir glauben gerne von uns, dass nur die anderen schlecht kommunizieren.

Wir müssen zuerst fragend herausfinden, wie der andere zu unserem Thema steht, welches seine Meinung ist. Dazu müssen wir zuerst Informations-Fragen stellen.

Wenn wir glauben zu wissen, was den anderen bewegt, sollten wir mit Kontroll Fragen herausfinden, ob unsere Vermutung richtig ist. Erst jetzt sollten wir das hierfür geeignete Argument vorbringen, ganz gezielt einsetzen. Wir müssen nicht alle Argumente aufzählen, die wir vorbereitet haben! Nur jene, die dazu führen, den anderen zu überzeugen. Weniger ist manchmal mehr. Unser Gehirn liebt ganz konkrete Beispiele, aber nicht alle!

 

Auf ein Neues!

Wenn alle verstanden haben, dass es notwendig ist, zuerst die Meinung, die Haltung unseres Gegenübers zu erfahren, bevor wir ihn mit unserer eigenen Schlauheit beglücken, können wir einen neuen Versuch starten. Am besten mit dem gleichen Thema und den gleichen Argumenten, da man jetzt auch den Unterschied bewusst erleben kann. Diesmal bitte fragend richtig führen!

Es heißt nicht zufällig "ein Gespräch führen"! Es führt nur der, der Fragen stellt. Das ist zwar eine Binsenweisheit, aber KENNEN und KÖNNEN sind zweierlei. Doch Übung macht den Meister!

Das ist eine anspruchsvolle und spannende Übung. Wenn man sie kennt, kann man sie in seinen Trainings-Plan einbauen. Trainieren Sie nach diesem Muster einmal in der Woche oder im Monat mit einer Freundin, einem Freund! Noch besser mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin. Partner sind übrigens die besten Lehrer. Mit und von ihnen lernen wir durch Immersion. Rund um die Uhr und alles...

Sollten Sie in Ihrem Freundes- und Familienkreis immer alle einer Meinung sein, dann sollten Sie sich für Ihr Training ab und zu eine Person aussuchen, die die Gegenposition zu Ihrer Meinung vertritt 😊

So lernen wir niederlagenlos zu kommunizieren und unsere Meinung auch dann souverän zu vertreten, wenn sie nicht dem Mainstrem entspricht.

Wir lernen auch eine andere Meinung als die unsere mit Anstand auszuhalten, denn Toleranz kommt von "tolerare", was "erleiden, ertragen erdulden" bedeutet, und nicht von "toll".